Die Börsenmonate September und Oktober

Auf der Suche nach den schwächsten Börsenmonaten, findet man vor allem die Monate September und Oktober. Zwar gab es in den letzten 25 Jahren Kursrückgänge in diesen Monaten, jedoch fallen die Kurse weit weniger häufig, als manch einer behauptet. Ein Blick auf die vergangenen Jahre hilft bei der Analyse.

Wenn ein Anleger in den letzen 29 Jahren, d. h. 1988 - 2016 nur in den Monaten September oder Oktober in den DAX[1] investiert hätte, ergäbe sich die folgende Performance, welche die erste Grafik zeigt. Der September ist grün dargestellt und der Oktober rot.

Tatsächlich hatte ein Anleger mit der September-Strategie einen Verlust von 75,3% eingefahren. Der Oktober hatte ihm hingegen einen Gewinn von 74,1% gebracht. Betrachtet man allerdings den September-Verlauf, so zeigt sich, dass die größten Verluste in den Jahren 1998 - 2003 angefallen sind. Die übrige Zeit tendierte der DAX mehr oder weniger seitwärts.

 

September-DAX

Ich möchte die Analyse noch ein wenig weiterführen. Dazu habe ich die Performance der einzelnen Monate aufgeführt. Betrachtet man die Verluste des DAX in den Septembermonaten von 1988 bis 2016, ist der DAX tatsächlich häufiger gefallen als im Oktober. Insbesondere der höchste Verlust im September 2002 fällt ins Auge.

 

Crashmonate

Alle Verluste über 5% sind grau/orange markiert. Deutliche Verluste über 10% sind an der dunkelroten Farbe zu erkennen.

 

Ist der September ein schlechter Börsenmonat?

In den vergangenen 29 Jahren

  • fiel der Deutsche Aktienindex dreimal mehr als 10%
  • fiel der Deutsche Aktienindex neunmal mehr als 5%
  • insgesamt fiel der Deutsche Aktienindex 18 Mal

Im gleichen Zeitraum stieg der deutsche Aktienindex nur elfmal. Drücke ich das Ergebnis in Prozent aus, so stieg der DAX in rund 38% aller betrachteten Monate. Offensichtlich ist das kein positives Resultat.

Allerdings lassen sich zwei Dinge nicht behaupten:

  1. der September ist ein Crash-Monat
  2. der DAX fällt im September immer

 

Ist der Oktober ein Crash-Monat?

Am 19. Oktober 1987 erlebte der deutsche Aktienmarkt seinen bislang schwärzesten Tag. Auch 1997 und 2008 gab es im Oktober deutliche Verluste, die über zehn Prozent hinausgingen.

Einschneidende Verluste wie diese bleiben Menschen im Gedächtnis haften und werden auf andere Ereignisse übertragen. In der Psychologie nennt man solche Generalisierungen Halo-Effekt. Drei deutliche Verlustmonate in 29 Jahren ergeben noch kein Muster. Der Dax stieg in dieser Zeit 19 Mal, zehn Mal fiel er. Der Crash-Monat-Oktober ist, wie die Zahlen belegen, ein Trugschluss.

Der Oktober war in den vergangenen 29 Jahren beim DAX ein guter Börsenmonat.

 

Fazit

Betrachtet man die vergangenen 29 Jahre, ist der September ein relativ schwacher Monat und der Oktober nur selten ein Crash-Monat gewesen.

Ich wollte mit dem Artikel aufzeigen, dass Verallgemeinerungen nicht unbedingt zutreffen müssen. Eine andere Frage ist allerdings, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich danach zu richten, wie sich ein Monat in der Vergangenheit entwickelt hat. Dazu gibt es an anderer Stelle noch einen Artikel, über die Aussagekraft saisonaler Effekte

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[1] DAX - Kursindex (ohne Dividenden); Quelle: Deutsche Bundesbank

 

 

 

 

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