Massenpsychologie

Unter dem Einfluss der Massenpsychologie handeln Menschen selten erfolgreich. Das Werk 'Psychologie der Massen' nach Le Bon zeigt, wie die die Masse Menschen beeinflussen kann. Wenn von der Börse gesprochen wird, dann fällt immer wieder der Name Le Bon. Sein bekanntestes Werk „Psychologie der Massen“ hat er bereits 1895 veröffentlicht.

Psychologie der Massen

Obwohl Kursbewegungen an Aktienmärkten nicht Gegenstand seiner Beobachtungen waren, beschreibt er Phänomene, die an der Börse schon häufig aufgetreten sind. Le Bon geht es um die Beschreibung einer Ansammlung von Menschen, die sich unter bestimmten Bedingungen zu einer Masse formt. Nach Le Bon treten in der Masse „niedere Eigenschaften“ hervor, die ich kurz beschreiben werde.

Zunächst ist festzuhalten, dass sich die Börse nicht permanent in einem massenhysterischen Ausnahmezustand befindet. Sogenannte Massenphänomene treten vor allem in extremen Börsenphasen auf. Nur wenn die Stimmung an der Börse besonders euphorisch oder depressiv ist, spricht man von dem Einfluss der Massenpsychologie.

Nach Le Bon sind die niederen Eigenschaften immer vorhanden. Sie kommen aber nur zum Tragen, wenn andere Faktoren in einer Menschenmenge außer Kraft gesetzt sind. So schreibt Le Bon: „Ist das Gebäude einer Kultur morsch geworden, so führen die Massen seinen Zusammenbruch herbei.“

MassenpsychologieEine Ansammlung von Menschen muss also keine niedere Eigenschaften der Masse aufweisen. Menschen kommen häufig friedlich zusammen ohne, dass sich eine Masse bildet. Die Eigenschaften können sich in abgeschwächter Form zeigen oder ausgeprägte massenpsychologische Eigenschaften besitzen.

Für einen Trader bedeutet dies: An der Börse gibt es Phasen, an der massenpsychologischen Einflüsse nicht vorhanden sind. In anderen Phasen übernimmt die 'Massenseele' (Le Bon) die Richtung der Kursbewegungen.

 

Eigenschaften der Masse

Die Masse ist nicht einfach die Summe seiner Mitglieder, sondern es treten neue Merkmale hervor, welche einzelne Menschen in der Regel nicht zeigen.

Die psychologische Masse nach Le Bon ist 'impulsiv und enthusiastisch'. Er schrieb, eine Masse ist gekennzeichnet durch 'Triebhaftigkeit, Reizbarkeit, Unfähigkeit zum logischen Denken, einem Mangel an Urteil un kritischen Geist, ein Überschwang der Gefühle'.

Diese Eigenschaften finden Sie an der Börse in Boomphasen oder bei einem Crash. In der Masse bewegen sich dann alle in die gleiche Richtung.

Nicht zuletzt ist die Masse beeinflussbar und äußerst leichtgläubig. Die Masse, so Le Bon, glaubt an eine Autorität und will geführt werden. Jede Masse hat einen Führer. „Sie will beherrscht werden“. „Die Masse ist eine folgsame Herde, die nie ohne Herrn zu leben vermag“ (Herdentrieb).

Wenn Gurus an der Börse hoch im Kurs stehen, dann war die Masse der Börsianer auf der Suche nach einem Meinungsführer und hat ihn gefunden. Ob er ein guter Analyst ist, spielt dann keine Rolle mehr.

So entstehen Legenden, was nach Le Bon übrigens auch ein Merkmal der Masse ist.

 

Der Einzelne in der Masse

Jeder Einzelne in der Masse verändert sich durch den Einfluss der Masse, dessen Teil er ist. Nur starke Persönlichkeiten haben die Kraft, sich von ihr abzukoppeln.

Hier möchte ich Warren Buffett zitieren, der kürzlich in einem Interview mit Börse Online sagte: „Das Wichtigste ist, das ein Anleger sich nicht beeinflussen lässt. Er muss sich von dem, was andere sagen oder tun komplett abkoppeln können. Ein guter Investor denkt eigenständig [...] auch wenn alle anderen panisch oder euphorisch sind.“

Wenn Sie an der Börse erfolgreich sein wollen, müssen Sie sich abkoppeln. Achten Sie auf sich selbst. Betrachten Sie sich und suchen Sie nach folgenden Merkmalen, die Sie alle bei Le Bon nachlesen können.
 

Fehlentscheidungen in der Masse

  • Verantwortung: Anonymität in der Masse führt zur Aufgabe des Verantwortlichkeitsgefühls – für andere aber auch für sich selbst. Die Masse verändert Menschen und die Achtsamkeit für das eigene Wohlergehen lässt nach. Es wird gehandelt ohne zu überlegen und ohne auf seine Diversifikation oder seine Positionsgröße zu achten. 
  • Ansteckung: Jeder steckt jeden an. Jedes Gefühl ist ansteckend wie ein Lachen und jeder Gedanke und jedes Gefühl wird übertragen. Ist jemand Teil der Masse, ist er schnell dabei, seine eigene Meinungen der Gesamtmeinung anzupassen. 
  • Sicherheit: Das kritische Denken ist ausgeschaltet. Nicht zuletzt wird eine Idee unter dem Einfluss der Masse schnell zur Gewissheit, die einem das Gefühl von Sicherheit gibt. Ungefragt wiegt man sich in der Gewissheit richtig im Markt zu liegen.

Der Grund, so Le Bon, liegt in der Aufgabe der Persönlichkeit und Vorherrschaft der unbewussten Persönlichkeit. Unbewusste Motive wie die Gier nach Macht und der unbefriedigte Wunsch nach Anerkennung bestimmen das Handeln an der Börse.
 

Tips für Trader

Um als Trader (oder Investor) erfolgreich zu sein, sollten Sie der Masse nie blind folgen. Die Masse beeinflusst jeden und fördert Eigenschaften zutage, die an der Börse nicht zum Erfolg führen.

  • Achten Sie besonders auf Ihre eigene Verantwortung für Ihr Depot 
  • Achten Sie darauf, sich nicht von der Mehrheit der Meinungen (Tagespresse, Analysten, Meinungsführer, Bekannte u.a.) und ihrer guten oder schlechten Stimmung anstecken zu lassen 
  • Achten Sie darauf, keinem Börsen-Guru blind zu folgen 
  • Achten Sie immer darauf, eine Tradingidee kritisch zu hinterfragen

 

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