Disziplin allein wird nicht reichen

Um unsere Ziele zu erreichen benötigen wir Disziplin. Jedoch allein mit Disziplin sind Ziele nur sehr mühsam zu erreichen. Disziplin und Selbstregulation sind zwei unterschiedliche Ressourcen, seinen Willen in die Tat umzusetzen. Beide Formen sind notwendige Schlüsselkompetenzen, um seine Ziele zu erreichen. Allzu häufig wird jedoch der Disziplin zu viel Gewicht gegeben. Um Handeln und Persönlichkeit aktiv zu gestalten, sollten Disziplin und Selbstregulation in einem optimalen Gleichgewicht stehen.

Selbstkontrolle

Ohne Disziplin wirst Du keinen Tradingerfolg haben, denn professionelle Trader sind diszipliniert. Wir werden permanent von Emotionen beeinflusst. Dies führt zu unlogischem Verhalten und Verlusten. Durch Disziplin hast Du Dein eigenes Ego im Griff. Beherrsche Dich, mache einen Plan und bleibe fokussiert.

So oder ähnlich ist es immer wieder zu hören. Disziplin - Psychologen nennen es Selbstkontrolle - soll zum Erfolg führen. Impulse, gute Einfälle, Handlungen und Verhaltensmuster werden damit vom Kopf getrennt, damit sie einem nicht dazwischenfunken. Analyse und Rationalität sollen Handelsentscheidungen bestimmen. Das ist auch gut, wenn es um die Zielverfolgung schwieriger oder unangenehmer Aufgaben geht.

 
 
 
 
Selbstkontrolle

Doch funktioniert das nicht immer. Häufig höre ich von Tradern, dass sie es einfach nicht schaffen, diszipliniert zu sein. Das führt zu einem Kreislauf des Misserfolgs. Man reißt sich noch mehr am Riemen, schafft es aber trotzdem nicht, sich an seine Signale und Setups zu halten. Das wiederum führt zu der Befürchtung, als Trader zu scheitern. Der Druck steigt und wird vergeblich mit noch mehr Selbstdisziplin beantwortet.

Fakt ist, Selbstkontrolle ist anstrengend und auf die Dauer nicht durchzuhalten. Ist man permanent damit beschäftigt sich zu kontrollieren, führt das zur Erschöpfung. Man fühlt sich ausgelaugt und müde. Und hier liegt das Problem. Kurzfristig ist Selbstkontrolle eine hilfreiche Quelle. Wer sich aber lange konzentrieren muss, verliert die Kontrolle. Es kommt zum Ketchup-Effekt der Disziplin. Impulse gewinne plötzlich die Oberhand und 'verführen' uns, unüberlegt zu handeln.

Auf einmal wird der Stopp versetzt. Aus Angst vor Verlusten wird vorzeitig verkauft oder vor dem Kaufsignal in den Markt eingestiegen. Hohe Selbstdisziplin garantiert noch nicht, dass es Tradern tatsächlich gelingt, inneren Impulsen zu widerstehen.

 

Selbstregulation

Neben der Selbstkontrolle kennen Psychologen noch einen anderen Begriff: die Selbstregulation. Mit Selbstregulation nutzen Menschen Gefühle und Emotionen, um Zugriff auf ihre gesammelte Lebenserfahrungen zu erlangen. Dazu gehören auch Interessen, Bedürfnisse und Werte. Durch das intuitiv ganzheitliche Gedächtnis werden sie zur Verfügung gestellt, um wichtige Entscheidungen im Einklang mit allen inneren Stimmen zu treffen.

Selbstregulation

Zur Selbstregulation gehört es aber auch, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Man nimmt wahr, was zu einem negativen Gefühl geführt hat, durchlebt die emotionale Belastung, kann den Fehler aufarbeiten und in seine Lebenserfahrungen integrieren.

Positive Erfahrungen werden natürlich auch integriert. Haben Sie eine Aktie mit Gewinn verkauft und genau gehandelt wie geplant, sagt Ihnen Ihre Freude: Hier lag ich richtig. Sie erfahren wie es läuft und reichern Ihren Erfahrungsschatz an.

Manchmal sind Erfahrungen auch widersprüchlich. Zu einem Trade können zwiespältige Gedanken und Gefühle auftreten. Ein Beispiel: 'Einerseits habe ich einen Gewinn von 15 Prozent realisiert. Zugleich lief der Kurs aber weiter nach oben. Ich ärgerte mich fürchterlich'. Um diese Erfahrungen einzuordnen, nutzen Menschen die Selbstregulation. Sie öffnet das Gedächtnis für Lebenserfahrungen und kann diese widersprüchliche Erfahrungen integrieren.

 

Wie Selbstregulation gelingt

Selbstregulation wird durch positive Gefühle ermöglicht. Das heißt, um Erlebnisse verarbeiten zu können und auf eigene Erfahrungen zu hören, benötigen Sie eine gute Stimmungslage. Weiterhin fördert Entspannung und der Kontakt zu anderen Menschen den Zugriff auf den intuitiven und ganzheitlichen Gedächtnisspeicher.

positive Stimmungslagenegative Gefühle

Negative Gefühle hingegen blockieren die Selbstregulation. Ebenso Stress, Angst und Selbstkontrolle. Wer sich also beim Traden im Angstmodus befindet, wird die Erfahrungen, die er in dieser Phase gemacht hat, nur verarbeiten, wenn er später genügend Muße findet.

 

Zusammenfassung

Tradingdisziplin ist nicht grundsätzlich schlecht. Will ein Trader ein Ziel konsequent erreichen und fehlt ihm die notwendige Erfahrung, kann er nur logisch-analytisch die Vorgehensweise erarbeiten und dann kontrolliert umsetzen. Dann ist Selbstkontrolle sogar notwendig.

Wie erwähnt kostet Selbstkontrolle aber Kraft. Wer sich ausschließlich kontrolliert handelt, erlangt keinen Zugriff auf seinen Erfahrungsschatz und kann neue Erfahrungen den alten Lebenserfahrungen nicht hinzufügen.

Da das analytische Gehirn Erfahrungen nur nacheinander abarbeiten kann, ist es auf die Dauer langsamer und weniger effektiv als das intuitiv-ganzheitliche Gedächtnis. Es kann Erfahrungen, Bedürfnisse und Werte nicht nur gleichzeitig, sondern auch situationsgerecht zur Verfügung stellen.

Was will ich mit dem Trading erreichen? Welcher Tradingstil passt zu mir am besten? Welcher Fehler darf ich nicht wiederholen? Was lief gut? Dies kann ich am besten entscheiden, wenn ich den Zugriff auf mein intuitive-ganzheitliches Denken nutze. So werden Handlungen emotional getragen.

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Dieser Artikel ist Teil der Blogparade zum Thema aktive Persönlichkeitsentwicklung von Quality Lifestyle, dem Dienstleister für Personal Coaching in Köln

 

Quellen:

- Warum ständige Selbstkontrolle impulsiver macht - WELT, Fanny Jiménez, 15.09.2014
- Eine neue Persönlichkeitstheorie – Interview mit Prof. Dr. Julius Kuhl, Psyche und Arbeit, 26.07.2016
- Selbstregulation und Selbstkontrolle, Nicola Baumann & Julius Kuhl, Management-Diagnostik, 2013, Hogrefe

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Kommentar: 

Selbstkontrolle bzw. Disziplin funktioniert, dazu muss aber die Prämisse gegeben sein, dass man weiß was man tut. Wenn man weiß, dass etwas funktioniert, dann kann man problemlos dabei bleiben. Die meisten scheitern, weil Sie nicht an Ihr System glauben - und daher nicht die nötige Disziplin aufbringen können.

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